Ich habe mal extra einen Account erstellt, um auf diesen Post einzugehen:
1. Roger Hanson hatte einen guten Kader aber auch ein gutes defensives System.
Als Fan habe ich, ob des Aufbauspiels unter Druck oft entzückt gegrinst. Warum die Trennung?
2. In dem System, mit den Verteidigern, brilliert jeder Torhüter, nur wir geben dem dann einen solch langfristigen teuren Vertrag.
3. nichts gegen Kyle‘s Geschwindigkeit und Torgefahr. Als Paket mit den neuen deutschen D (Ankert, Wirth, Mebus & Akdag) wäre die Stärke im Aufbau und Defensive von Kousa aber Gold wert gewesen.
4. Wenn ich in der Defensive die deutsche Karte ziehe (siehe oben) dann wären 1-2 gute 2-Wege Stürmer für die Balance sinnvoll gewesen. Stattdessen: Agostino, O’Donnell, Varone und Clarke. Vorne Hui, hinten Pfui!
5. Wie kann ich All-In gehen, 7 Verteidigern und Torhüter, langfristige Verträge geben, so dass ich nach einer Saison, mit offensichtlicher Schwäche hinten, nichts mehr korrigieren kann?
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Grundsätzlich möchte ich dir bei all diesen Punkten gar nicht widersprechen, bis auf den zu Haukeland vielleicht. Was für mich aber heraussticht, ist das angesprochene System – denn das hat sich geändert, aber nicht erst unter Reinprecht/Martikainen. Achtung, es wird etwas technisch.
Unter Hansson/Dolak/Kreutzer spielte man in der defensiven Zone noch ein recht simples Box+1 System (auch Zonendeckung genannt). Die Defensivzone wird in Quadranten unterteilt, in denen jeweils ein Verteidiger oder Stürmer für seinen Quadranten zuständig ist. Der linke Verteidiger für den Bereich hinten links, der linke Flügelstürmer für vorne links usw. Ein Stürmer, in der Regel der Center, unterstützt bspw. als zweiter Mann in Zweikämpfen. Wird der Puck die Bande hoch oder runter gespielt, wird der puckführende Spieler ungefähr an den Hashmarks übergeben. Vorteil: Es ist mit jedem Personal einfach umzusetzen und man macht es dem Gegner sehr schwer, in den Slot zu kommen. Stattdessen gibt es tendenziell mehr relativ ungefährliche Schüsse von außen und von der blauen Linie. Nachteil: Man ist eher passiv und wartet ggf. darauf, dass Gegner versuchen, in den Slot einzudringen. Dadurch kann man über längere Zeit defensiv eingeschnürt werden, wenn man zu passiv wird.
Der Kader war insbesondere in der Verteidigung auch dann nicht stark – Cumiskey verpasste die gesamte Saison, dafür machten Nic Geitner, Justus Böttner und Luca Zitterbart allesamt über 45 Spiele. Trotzdem war die DEG mit diesem System sehr erfolgreich.
Unter Dolak/Barta/Kreutzer änderte sich das. Vom Box+1 ging man zu Mann-gegen-Mann. Ob das jetzt von Dolak oder einem der Cos ausging, weiß ich nicht. Auch hier versucht man zwar, die Verteidiger möglichst vor dem Tor und die Stürmer davor zu halten. Je nach Situation gibt es aber sehr viel Bewegung. Puckführende Verteidiger werden beim Pinch die Bande runter nicht mehr übergeben, stattdessen bleibt der deckende Stürmer dran und geht auch dann weiter mit, wenn der puckführende Spieler die Scheibe weiterspielt. Ebenso findet man ggf. Verteidiger, die Gegner an der blauen Linie decken, wenn die Spielsituation diese Zuordnung erfordert. Vorteil: Die Defensive ist deutlich aggressiver. Anstatt zu warten, dass die Gegner auf die Verteidigung zukommen, suchen Defensivspieler aktiv den Zweikampf. Nachteil: Es entstehen fünf Eins-gegen-Eins-Situationen, in denen man darauf vertrauen muss, dass der Defensivspieler besser ist als der Offensivspieler. Wenn Matchups wie Ankert gegen Ronning oder Wirth gegen Pföderl entstehen, kann das schnell schiefgehen. Vielleicht noch schlimmer: Es können Situationen entstehen, in denen plötzlich Ehl und O'Donnell die beiden Spieler vor dem Tor sind, während Akdag und McKiernan an der blauen Linie die Verteidiger decken. Und: Verliert die Defensive ein Eins-gegen-Eins, kann der ganze Rest schnell zusammenbrechen.
Die DEG kam damit vergangene Saison schlechter klar als mit dem System der Hansson-Saison. Reinprecht/Martikainen führten das, mit kleinen Anpassungen, aber weiter – und es wurde immer schlimmer. Bis zum Schluss herrschte in der defensiven Zone Chaos. Bis zum Schluss schien die Mannschaft das System entweder nicht zu verstehen oder nicht umsetzen zu können. Ich persönlich tippe auf Letzteres. Denn ob Cumiskey, Postma, McCrea, Akdag, Ankert oder Ebner, sie alle haben in ihrer Karriere schon viel mitgemacht und wissen wie man verteidigt. Aber viele von ihnen sind ordentlich ins Alter gekommen und nicht mehr so schnell oder spritzig wie früher – was in Manndeckung tödlich sein kann. Insbesondere dann, wenn man vor sich viele Stürmer findet, die mit dem System ebenso Probleme haben.
Auf wessen Kappe geht das jetzt? Schwer zu sagen. Vielleicht hätte Reinprecht rausfliegen sollen. Vielleicht hatte die DEG kein Geld für einen neuen Trainer. Vielleicht hätte Reinprecht das System nach erfolglosen 30 Spielen irgendwann umstellen sollen. Aber wie wahrscheinlich wäre es, dass das Team dann ein neues System verinnerlicht, nachdem sie eineinhalb Saisons in Manndeckung unterwegs waren? Man weiß es nicht.
Natürlich hatte die DEG diese wie letzte Saison noch deutlich mehr Probleme. Nur ein Teil der Tore fallen überhaupt nach mehrsekündigem Puckbesitz in der Offensivzone, der Rest kommt "off the rush", "off the forecheck" und in Special Teams. Aber trotzdem war das Defensivsystem der Punkt, der mir bis zum Schluss ein riesiger Dorn im Auge war.