Hmm, nachvollziehen kann ich Haukelands Argumentation schon.
Ich kann ehrlich gesagt Haukelands gesamte Linie von …
- "Es war mein Traum der tollen Stadt Düsseldorf eine Meisterschaft und Erfolg zu bringen und es tut mir leid, dass ich Euch im Stich gelassen habe. Was letzte Saison passiert ist, nehme ich mit ins Grab." (22.05.2025), über …
- "Nach einigen schwierigen Jahren in meiner Karriere hat mir Straubing die Freude am Eishockey zurückgegeben und dafür werde ich dieser Organisation immer dankbar sein." (22.06.2026), bis …
- "Ich möchte mich nicht in politische Angelegenheiten einmischen" (24.06.2026)
… so langsam nicht mehr nachvollziehen.
Im Gegenteil sagt er offenbar immer das, was ihm gerade opportun erscheint. Und wenn er in zwei Jahren nach Finnland oder Schweden wechselt, wird er es wahrscheinlich nicht mehr mit seinem Gewissen vereinbart haben können, in einer Liga zu spielen, die russische Kriegspropaganda verbreitet und eng mit dem russischen Staatsapparat verflochten ist.
Bemerkenswert ist auch, dass er seinen Post vom 22.05.2025 wie auch einige schöne Ansichtsfotos von Düsseldorf von seinem Instagram-Account mittlerweile entfernt hat. Zumindest vom Post gibt es aber → hier noch einen Screenshot von Kuxxi.
Ich für meinen Teil werde meine Position zu Haukeland revidieren müssen.
Wenn sich in Tscheljabinsk sein Brutto verdoppelt und das Netto verdreifacht (keine Ahnung, russisches Einkommenssteuerrecht ist nicht mein Spezialgebiet) und vielleicht noch ein paar Gimmicks (Wohnung, Auto, Nanny) on top kommen, was ihn in die Lage versetzt, in den kommenden beiden Jahren 500 t€ auf Seite zu legen ... dann kann man ins Grübeln kommen, ob man dafür nicht Nationalmannschaftskarriere und wohl auch Reputation opfert.
Wenn es nur 500k Euro wären, wäre die Entscheidung um so unverständlicher. Die hätte er nach 5 Jahren bei der DEG auch auf der Seite gehabt, wäre die DEG nicht abgestiegen. Und da in der Schweiz, in Schweden und anderswo besser gezahlt wird als in der DEL (und vor allem bei der DEG), hätte es da keine 5 Jahre gedauert. Ist ja nicht so, als hätte Haukeland nirgendwo anders mehr unterkommen können und Russland wäre quasi seine letzte Chance gewesen, um überhaupt noch irgendwo ordentlich Geld verdienen zu können. Sagt er ja auch selbst:
Gleichzeitig habe ich zuvor besser bezahlte Angebote abgelehnt, weil ich weiterhin auf höchstem Niveau spielen wollte. Daher beruht diese Entscheidung sowohl auf sportlichen als auch auf finanziellen Erwägungen.
Mit den "besser bezahlten Angeboten" können ja keine KHL-Clubs gemeint sein, denn sonst könnte er das ja nicht als Argument vorbringen.
Wenn er aber außerhalb der KHL sogar noch mehr hätte abkassieren können, somit also die sportliche Komponente den größeren Ausschlag für Chelyabinsk gegeben haben soll, dann fällt es mir schwer, das zu glauben und ernst zu nehmen. In welcher Liga wird denn besser gezahlt aber auf weit niedrigerem Niveau gespielt als in Chelyabinsk? Entweder gab es diese Angebote nicht, dann lügt er, oder es gab sie, dann fragt sich, warum er sie nicht angenommen hat.
Welche Socke weltweit interessiert sich denn dafür, ob ein Club aus Yaroslavl, Moskau, Minsk, Cherepovets, Omsk, Novisibirsk, Shanghai oder meinetwegen eben auch Chelyabinsk den Gagarin-Pokal gewinnt? Selbst wenn dort das beste Hockey der Welt gespielt werden sollte, wer will das wissen und nimmt überhaupt Notiz davon? Und dafür schenkt man – für angeblich weniger Geld als man anderswo hätte verdienen können – eine Teilnahme an Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen her?
Bringe ich alles nicht zusammen.
Zumal man in der KHL ja nicht nur Hockey spielen, sondern auch noch unter den bekannten (politischen wie sonstigen) Umständen in Russland und vor allem Chelyabinsk leben muss. Ich weiß wenig bis gar nichts über Chelyabinsk, aber nach allem, was man so sehen und lesen kann, wird man sehr viele schöne Aufnahmen davon auf Haukelands Instagram-Account nicht sehen können.
Link: Bitte melde Dich an, um diesen Anhang zu sehen.
Ein mit der großen Konzentration der Schwerindustrie einhergehendes Problem ist die exorbitante Umweltverschmutzung in Tscheljabinsk sowie der Smog. Zur hohen Luftverschmutzung kommen vielfach unkontrollierte riesige Mülldeponien hinzu. Eine Bürgerinitiative, darunter vor allem Frauen, brachte Demonstrationen von mehreren Tausend Menschen zusammen und Unterschriften von 160.000 Menschen, welche gegen den Bergbau waren, der ihrer Meinung die Trinkwasserversorgung gefährdete. Ältere Frauen kamen erstmals in ihrem Leben mit der Staatsmaschinerie in Berührung, als sie verhaftet wurden, und meinten dazu: „Das ändert unsere Meinung doch nicht.“
Ich wünsche Henrik Haukeland eine schöne Zeit und viel Erfolg in Chelyabinsk.